Integrierte Versorgung von Menschen mit Alkoholerkrankung in Wien geht in neue Phase

Präsentation 2. Phase des Projekts „Alkohol 2020“

Die erste Pilotphase des gemeinsamen Projekts von Pensionsversicherungsanstalt (PVA), Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) und Stadt Wien zur integrierten Versorgung von Menschen mit Alkoholerkrankung in Wien unter dem Namen „Alkohol 2020“ war höchst erfolgreich. Daher geht das Projekt nun in die zweite Phase über und wird bis mindestens Ende 2018 verlängert.

„In die zeitgerechte und umfassende Hilfe für alkoholkranke Menschen zu investieren bedeutet eine unmittelbare Verbesserung der Lebensqualität für die Betroffenen. Darüber hinaus ist es aber auch ökonomisch sinnvoll. Jeder investierte Euro erspart der Gesellschaft ein Vielfaches an Folgekosten“, betont die Wiener Stadträtin für Gesundheit, Soziales und Generationen Sonja Wehsely.

Die Eckpunkte des Projekts wie die individuelle, ganzheitliche Versorgung auf Basis eines Modulsystems, der Fokus auf ambulante Angebote, der möglichst geringe bürokratische Aufwand für die PatientInnen und die gemeinsame Finanzierung und wirkungsorientierte Steuerung durch Versicherungsträger und Stadt Wien bleiben bestehen und werden weiter ausgebaut.

Mehr Kapazitäten, mehr Anspruchsberechtigte

Die Anzahl jener Menschen, die in das Projekt aufgenommen werden können, wird deutlich erhöht. Bis Ende 2018 können rund 3200 alkoholkranke Menschen die Angebote in Anspruch nehmen.

Auch der Kreis jener Personen, die Zugang zum Projekt haben, wird wesentlich vergrößert. Nun sind neben Versicherten der WGKK auch jene WienerInnen anspruchsberechtigt, die bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA), der Sozialversicherungsanstalt der Bauern (SVB), der Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau (VAEB), der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter (BVA), der Krankenfürsorgeanstalt der Bediensteten der Stadt Wien (KFA) oder einer der Betriebskrankenkassen versichert sind, solange sie noch keine Alterspension beziehen.

„Das Ziel von ,Alkohol 2020‘ ist es, den Betroffenen den Zugang zu Behandlungs- und Rehabilitationsprogrammen möglichst einfach zu machen. Da sich nun auch andere Versicherungsträger an dem Projekt beteiligen und neue Betreuungsangebote hinzugekommen sind, können nun durchschnittlich 100 Personen – statt bisher rund 30 – pro Monat individuell betreut werden. Zum Teil können die Betroffenen während der Behandlung oder der Rehabilitation zu Hause bei ihren Familien sein und dem Beruf nachgehen. Bisher war das kaum möglich“, erklärt Ingrid Reischl, Obfrau der Wiener Gebietskrankenkasse.

„Es ist uns wichtig, dass unseren Versicherten nun auch das umfassende Angebot vom trägerübergreifenden Vorzeigeprojekt ,Alkohol 2020′ zur Verfügung steht. Mit der Beteiligung am Ausbau dieses Projektes setzten wir einen wichtigen Schritt und die Teilnahme zeigt auch, dass diese einen wesentlichen Beitrag in unserer Präventionsstrategie darstellt und in unserem Vorsorgeprogramm ‚Selbständig gesund’ das Thema Alkohol – vor allem der richtige Umgang – ein eigenes Gesundheitsziel darstellt“, betont Alexander Herzog, Obmann Stellvertreter der SVA.

Zusätzliche Versorgungsangebote und neue Therapiemethoden

In der zweiten Projektphase werden auch zusätzliche Versorgungsangebote geschaffen, vor allem im ambulanten Bereich. Mit Modulen zu Kontrolliertem Trinken und Trinkmengenreduktion werden neue therapeutische Ansätze angeboten.

Die Serviceleistungen im regionalen Kompetenzzentrum, der zentralen Anlaufstelle für PatientInnen, werden ausgebaut und intensiviert, unter anderem in Form von längeren Öffnungszeiten und verstärktem Case Management. Maßnahmen zur Erhaltung beziehungsweise Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit werden dabei von Anfang an mitgeplant.

„Unsere Daten zeigen, dass alkoholkranke Menschen weniger und geringere Pensionsbeiträge leisten können, somit viel öfter arbeitslos oder in Krankenstand sind und daher verstärkt frühzeitig aus dem Arbeitsleben ausscheiden. Daher ist es so wichtig, dass wir diese Personen mit dem Projekt ‚Alkohol 2020‘ frühzeitig erreichen, um ihre Arbeitsfähigkeit erhalten oder wieder herstellen zu können. Das gibt den Betroffenen nicht nur finanzielle Stabilität, sondern auch eine positive Zukunftsperspektive“, betont Kurt Aust, Generaldirektor-Stellvertreter der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) die Bedeutung von Maßnahmen zur beruflichen (Re-)Integration.

Intensive Zusammenarbeit mit Gesundheits- und Sozialeinrichtungen

Die Zusammenarbeit mit Krankenanstalten und anderen Gesundheits- und Sozialeinrichtungen wird verstärkt um künftig noch mehr alkoholkranke Menschen in die für sie optimalen Versorgungsangebote zu vermitteln.

„Der integrierte Versorgungsansatz, der die Alkoholerkrankung in ihrer Komplexität Rechnung trägt sowie die Wirkungsorientierung der gesetzten Maßnahmen garantieren die bestmögliche Versorgung für alkoholkranke Menschen. Ich hoffe, dass dieses erfolgreiche Modell künftig auch in anderen Bundesländern übernommen wird. Erste Interessensbekundungen gibt es bereits“, betont der Koordinator für Sucht- und Drogenfragen der Stadt Wien, Michael Dressel abschließend.

Weitere Informationen: Presseunterlage (PDF)