Tabakprävention braucht stimmige Rahmenbedingungen!

1. Gleiches Recht auf Gesundheit für alle

Tabakkonsum macht körperlich und psychisch abhängig. Tabak ist eine Substanz mit extrem großem Schädigungspotenzial.

Regelungen müssen sich am Potenzial der Gefährdungen und Schädigungen orientieren[1]. Auch Passivrauch schädigt die Gesundheit. Das ist gut erforscht und unzweifelhaft belegt.

Die Anhebung des Schutzalters auf 18 Jahre hat Sinn, wenn die Bundesgesetzgebung widerspruchsfrei alle NichtraucherInnen zu schützen bereit ist, auch jene in Gaststätten.

Österreich ist seit 2007 nonstop das EU-Land mit den schlechtesten Gesetzen zu Tabak: Das alle drei Jahre durchgeführte internationale Ranking „European Tobacco Control Scale“ weist Österreich kontinuierlich den letzten Platz zu, zuletzt 2016[2].

Eine widerspruchsfreie Nichtraucherschutz-Bundesgesetzgebung ist eine Voraussetzung für wirksame Präventionsmaßnahmen.

2. Widersprüchliche Botschaften machen Präventionsarbeit zunichte

Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene erleben widersprüchliche Aussagen als unhaltbar, unauflösbar und wenig durchschaubar.

Ein Abrücken vom vollständigen Rauchverbot in der Gastronomie legitimiert den Konsum (wieder). Bisher mühsam erreichte Fortschritte (im Bewusstsein der Kinder, Jugendlichen, PädagogInnen, etc.) werden um Jahre zurückgeworfen.

Präventionsmaßnahmen, die sich nur an Kinder und Jugendliche richten, sind weitgehend unwirksam und unglaubwürdig.

Die Anhebung des Schutzalters auf 18 Jahre ist bei gleichzeitiger Reduktion des Nichtraucherschutzes besonders widersprüchlich.

3. Vorbildwirkung ist das A und O in der Prävention

In der Prävention zählt die VORBILDWIRKUNG der Erwachsenen weit mehr, als jede noch so gut kommunizierte „Präventionsbotschaft“.

Kinder und Jugendliche machen das nach, was Erwachsene TUN – und nicht, was sie SAGEN! Ganz wesentlich ist das Signal der Ablehnung des Rauchens.

Studien zeigen, dass die Ablehnung des Rauchens durch die Eltern einen massiven Einfluss auf das Rauchverhalten der Kinder hat, auch wenn Eltern oder Erziehungsberechtigte selber rauchen.[3]

94% der Jugendlichen, deren Eltern und deren Freundeskreis dem Rauchen stark ablehnend gegenüberstehen sind NichtraucherInnen, während 68% der Jugendlichen, deren Eltern und deren Freundeskreis das Rauchen akzeptieren und fördern, regelmäßige RaucherInnen sind.

Prävention funktioniert nur mit klaren Regeln!

4. Prävention braucht stimmige Rahmenbedingungen

Die Diskussion um Rauchverbote entzündet sich meistens an der Frage nach einer rauchfreien Gastronomie. Der Gesetzgeber hat hier Vorbildwirkung!

Da viele Jugendliche beim Fortgehen mit dem Rauchen beginnen, erschweren rauchfreie Lokale den Rauchbeginn. Und sie erleichtern jenen, die mit dem Rauchen aufhören wollen, diesen Schritt.

Darüber hinaus werden insbesondere die Beschäftigten in der Gastronomie vor Passivrauch geschützt[4].

NichtraucherInnenschutzgesetze mit Ausnahmen, wie sie fast nur noch in Österreich bestehen, haben eine deutlich geringere Wirkung als ein absolutes Rauchverbot in der Gastronomie.

Tatsache ist, dass zum Beispiel in England ein absolutes Rauchverbot am Arbeitsplatz (und damit auch in der Gastronomie) dazu geführt hat, dass der Anteil der rauchenden Erwachsenen von 21 Prozent auf 15,5 Prozent sank.[5]

Um Nichtrauchen zur Norm zu machen, darf es keine Ausnahmen geben.

5. Akzeptanz des Rauchverbots steigt nach seiner Einführung

Im Juli 2015 wurde das neue Tabakgesetz beschlossen, das absolute Rauchverbot in der Gastronomie sollte mit 1.5.2018 in Kraft treten. Eine außergewöhnlich lange Frist!

Aus anderen Ländern mit einem absoluten Rauchverbot ist bekannt: Die Akzeptanz steigt in der Bevölkerung nach (!) der Einführung weiter an. So stieg fünf Jahre nach Einführung des Rauchverbots in Bayern die Akzeptanz von vormals 61 auf 80 Prozent an[6].

Es gab ausreichend Zeit, um sich auf das Rauchverbot in der Gastronomie einzustellen!
 

6. RaucherInnenräume sind keine Lösung

RaucherInnenräume sind oft sehr klein und werden meist gezielt zum Rauchen aufgesucht. Somit entsteht für RaucherInnen und Bedienstete von Lokalen eine enorme Tabakrauchbelastung.

Aber auch NichtraucherInnenbereiche haben im Vergleich zu komplett rauchfreien Betrieben noch immer eine viermal so hohe Schadstoffbelastung.

Die Belastung für NichtraucherInnen ist auch bei abgetrennten RaucherInnenräumen nachweislich sehr hoch!
7. Der NichtraucherInnenschutz wird um mindestens 30 Jahre zurückgeworfen

Sämtliche wissenschaftlichen Daten sprechen für strikte Anti-Tabak-Gesetze und strikte Verbote.

Gesundheitliche Schäden gehen bei einem konsequenten Rauchverbot und der Stärkung des NichtraucherInnenschutzes deutlich zurück.

In Italien ging nach dem Rauchverbot in der Gastronomie die Hospitalisierungsrate wegen Herzinfarkten binnen zwei Jahren um vier Prozent zurück, Die breite Einführung von blutdrucksenkenden Medikamenten hat dagegen nur eine Reduktion um zwei Prozent geschafft.

Ausnahmen beim Rauchverbot unterstützen die „Normalität des Rauchens“, machen Rauchen gesellschaftsfähig und machen krank.

8. Gesetze sind nur so wirksam, wie ihre Kontrolle

Der Plan der Regierung sieht vor, dass in Autos, in denen unter 18-Jährige sitzen, nicht geraucht werden darf. Diese Maßnahme ist in der Praxis nur mit enormen Aufwand kontrollierbar. Dasselbe gilt für Alterskontrollen am Eingang von Raucherzonen in Gaststätten.

Alterskontrollen in Raucherzonen von Gaststätten und von Passagieren in PKWs sind praktisch de facto nicht machbar.

9. Auf Lehrlinge wurde vergessen

Die Rahmenbedingungen für die zumeist minderjährigen Lehrlinge in der Gastronomie sind unklar und widersprüchlich. So wäre es ihnen einerseits durch die Anhebung des Schutzalters verboten selbst zu rauchen, sie werden durch die Rücknahme des absoluten Rauchverbots aber gleichzeitig verpflichtet, in verrauchten Gaststätten ihren Dienst zu tun.

Den Einsatz von Lehrlingen auf NichtraucherInnenbereiche zu beschränken ist in der Praxis wahrscheinlich kaum realistisch zumal selbst dort eine viermal so hohe Schadstoffbelastung vorherrscht als in reinen NichtraucherInnenlokalen (siehe Punkt 6).

Auf Lehrlinge in der Gastronomie wurde vergessen!

[1] Quelle: http://www.vivid.at/wissen/tabak/nichtraucherschutz/gastronomie/
[2] Quelle: The Tobacco Control Scale 2016 in Europe
[3] Übers Rauchen reden – was Eltern wissen sollten, Broschüre des Instituts für Suchtprävention der Sucht- und Drogenkoordination Wien gemeinnützige GmbH ISP, Juli 2016, 2. aktualisierte Auflage
[4] Quelle: http://www.vivid.at/wissen/tabak/
[5] Quelle: Smokefree: The First Ten Years – research report
[6] Quelle: Fünf Jahre Rauchverbot in Bayern: Zustimmung auf Höchstwert