Konzept Verkehrsknotenpunkte Wien

Mit dem neuen Konzept Verkehrsknotenpunkte Wien, das am 8.7. von Ewald Lochner, Koordinator für Psychiatrie, Sucht- und Drogenfragen der Stadt Wien vorgestellt wurde, wird die in Wien seit Jahrzehnten erfolgreich gelebte Kombination aus medizinischen und sozialen Angeboten, Polizeipräsenz und infrastrukturellen Maßnahmen im öffentlichen Raum in ein auf ganz Wien anwendbares Schema übersetzt.

Die Hintergründe zum Konzept
Das Konzept Verkehrsknotenpunkte Wien basiert auf der jahrzehntelangen Erfahrung in der Vernetzung und Kooperation der für den öffentlichen Raum tätigen Organisationen. Auch bisher erfolgte eine regelmäßige Abstimmung von Polizei, Magistratsabteilungen und Gesundheits- und Sozialeinrichtungen im Jour fixe „Soziale Integration und Sicherheit“, wo gemeinsam über Orte gesprochen wird, die aus Sicht der TeilnehmerInnen besondere Aufmerksamkeit benötigen. Jede Organisation teilt ihre Einschätzung der Lage um dann bei Bedarf gemeinsam notwendige Maßnahmen, wie zum Beispiel verstärkte Einsätze von Polizei oder Sozialarbeit oder Veränderungen bei der Beleuchtung, zu vereinbaren.

Neben diesem regelmäßigen Austausch, bei dem wienweit über mögliche Problemlagen im öffentlichen Raum gesprochen wird, gibt es an Orten, wo die unterschiedlichen Organisationen tagtäglich eng zusammenarbeiten (z.B. am Praterstern) zusätzlich noch operative Jours fixes mit den jeweils vor Ort tätigen AkteurInnen.

Was ist neu am Konzept Verkehrsknotenpunkte Wien?
Neu am Konzept Verkehrsknotenpunkte Wien ist, dass es aus der bereits erfolgreich gelebten Zusammenarbeit, ein für ganz Wien gültiges Schema macht, das für alle beteiligten Organisationen einfach nachvollziehbar und anwendbar ist.

Es wurde von ExpertInnen der Sucht- und Drogenkoordination Wien und der Suchthilfe Wien erstellt und inhaltlich mit der Magistratsdirektion – Organisation und Sicherheit, den Wiener Linien, dem Fonds Soziales Wien, den Österreichischen Bundesbahnen und der Landespolizeidirektion Wien abgestimmt.

Definierte Grundausstattung für den öffentlichen Raum
Das Konzept enthält zum einen eine Liste von Voraussetzungen, die als „Grundausstattung“ an jedem Verkehrsknotenpunkt erforderlich sind, wie zum Beispiel ausreichend Raum und Ausweichmöglichkeiten, genug Sitzgelegenheiten und Mitstkübel, eine regelmäßige Reinigung sowie wienweit ein ausreichendes Angebot an Schlaf- und Wohnplätzen für obdachlose Menschen, Tageszentren für unterschiedliche Zielgruppen, Sozialpsychiatrische- und medizinische Behandlungs- und Betreuungseinrichtungen sowie aufsuchende Soziale Arbeit um dahin zu vermitteln.

Die im Konzept definierte Grundausstattung kann zudem dazu verwendet werden, bei der Planung neuer Verkehrsknotenpunkte bereits vorab durch entsprechende Infrastruktur ein möglichst konfliktfreies Nebeneinander im öffentlichen Raum sicher zu stellen. Vorzeigebeispiel dafür ist der Wiener Hauptbahnhof, bei dem bereits in der Planungsphase sichergestellt wurde, dass die Lage vor Ort trotz hoher Frequenzen und unterschiedlichster NutzerInnengruppen, unproblematisch ist.

Zusätzliche Maßnahmen – gemeinsame Bewertung des Handlungsbedarfs
Darüber hinaus sieht das Konzept auch Maßnahmen vor, die je nach Problemlage vor Ort gesetzt werden können. Dafür wird zunächst die Lage an einem bestimmten Ort nach definierten Kriterien von allen kooperierenden Organisationen gemeinsam mittels Punktesystem bewertet.

Die Bewertungskriterien sind die zur Verfügung stehende Fläche, die NutzerInnenfrequenz, die Anzahl der Beschwerden, die Diversität der Nutzung und das Vorliegen von Nutzungskonflikten, die mittels eines Punktesystems bewertet werden.

Laufende Anpassung an veränderte Bedingungen
Diese Bewertung wird regelmäßig für alle Verkehrsknotenpunkte in Wien durchgeführt, laufend aktualisiert und die jeweiligen Maßnahmen flexibel an eine sich verändernde Situation angepasst. Damit wird die faktenbasierte und ergebnisorientierte Strategie der Stadt Wien für den öffentlichen Raum konsequent fortgesetzt und weiter entwickelt.

Ergibt sich aus der Analyse eines Verkehrsknotenpunktes ein Handlungsbedarf, sieht das Konzept je nach Einteilung in eine von vier Stufen (kaum, gering, mittel, hoch) eine Vielzahl an möglichen Interventionen vor. Seien es soziale Angebote wie der Einsatz von Straßensozialarbeit oder die Schaffung eines Tageszentrums für wohnungslose Menschen, Maßnahmen aus dem Sicherheitsbereich wie eine verstärkte Präsenz von Polizei bzw. Sicherheitsdiensten, infrastrukturelle Veränderungen oder eine verstärkte regionale Vernetzung aller relevanten Organisationen.