Glücksspiel
Glücksspiel umfasst Spiele, bei denen das Ergebnis ausschließlich oder vorwiegend vom Zufall abhängt. Zur Teilnahme leisten Spieler*innen einen Geldeinsatz, um einen möglichen Gewinn zu erzielen. Typische Beispiele für Glücksspiele sind Roulette, Poker, Blackjack, Lotterien, Rubbellose, Sportwetten oder Spielautomaten.
Sportwetten gelten in Österreich rechtlich nicht als Glücksspiel – fachlich werden sie jedoch national und international als solches eingeordnet.
Nicht jedes Glücksspiel ist gleich riskant. Spielautomaten und Sportwetten haben das höchste Suchtpotenzial. Die wachsende Verbreitung von Online-Glücksspiel verschärft die Situation zusätzlich. Mit nur wenigen Klicks ist Glücksspiel heute überall und jederzeit verfügbar. Glücksspiel ist weit verbreitet: 40 % der Österreicher*innen haben im letzten Monat an Glücksspielen teilgenommen.
Wann wird Glücksspiel zur Sucht?
Glücksspiele versprechen oft schnelle Gewinne – die Realität sieht jedoch häufig anders aus. Was als Unterhaltung beginnt, kann sich zu einer Abhängigkeit entwickeln. Von einer Glücksspielstörung spricht man, wenn anhaltendes und wiederholtes problematisches Spielen zu erheblichen Belastungen oder Beeinträchtigungen in persönlichen, familiären, sozialen, schulischen, beruflichen oder anderen wichtigen Lebensbereichen führt.
Zur Diagnose müssen mindestens vier der folgenden Kriterien über einen Zeitraum von einem Jahr erfüllt sein (DSM-5-TR):
- Spielen mit immer höheren Einsätzen, um die gewünschte Spannung zu erreichen (Toleranzentwicklung)
- Unruhe oder Reizbarkeit beim Versuch, das Spielen einzuschränken oder aufzugeben (entzugsähnliche Symptome)
- Wiederholte erfolglose Versuche, das Spielen zu kontrollieren, einzuschränken oder aufzugeben (Kontrollverlust, Abstinenzunfähigkeit)
- Starke gedankliche Beschäftigung mit dem Glücksspiel (z. B. Planung, Rückblick, Geldbeschaffung)
- Häufiges Spielen in belastenden Gefühlszuständen (z. B. bei Angst, Schuldgefühlen, depressiver Stimmung)
- Wiederholtes Zurückkehren zum Spielen, um Verluste auszugleichen
- Täuschung anderer über das tatsächliche Ausmaß des Spielens
- Gefährdung oder Verlust einer wichtigen Beziehung, eines Arbeitsplatzes, Ausbildungs- oder Aufstiegsmöglichkeit durch das Spielen
Vier Prozent der österreichischen Bevölkerung erfüllen die Kriterien, welche auf zumindest eine milde Form von pathologischem Glücksspielverhalten hinweisen.
Folgen von Glücksspielsucht
Glücksspielsucht führt bei Betroffenen, ihren Familien und der Gesellschaft zu erheblichen Belastungen und Schäden. Besonders häufig sind finanzielle Schwierigkeiten bis hin zur Verschuldung. Darüber hinaus kommt es öfter zu familiären Konflikten, Vertrauensverlusten, häuslicher Gewalt, dem Zerbrechen von Partnerschaften, Arbeitsplatzverlust, Ausbildungsabbrüchen, existenziellen Krisen oder Beschaffungskriminalität. Personen mit einem problematischen Glücksspiel leiden zudem häufiger an psychischen Erkrankungen und haben ein erhöhtes Suizidrisiko.
Die Vielschichtigkeit und Schwere dieser Folgen verdeutlichen, dass Glücksspielsucht nicht allein als individuelle psychische Erkrankung zu verstehen ist, sondern auch als bedeutendes Thema der öffentlichen Gesundheit mit gesellschaftlicher Relevanz.
Prävention
Prävention setzt an, bevor ein Problem entsteht: Sie informiert über die Risiken des Glücksspiels und hilft Menschen zu erkennen, wie Spielangebote gezielt auf Suchtmechanismen ausgelegt sind. Eine weitere Säule ist die Stärkung von Lebenskompetenzen. Von Kindesalter an helfen Präventionsprogramme Menschen, mit den Herausforderungen des Lebens besser umzugehen. Wer eigene Bedürfnisse erkennt und konstruktiv damit umgehen kann, ist weniger anfällig. Die letzte Säule ist eine suchtvorbeugende Umwelt. Prävention macht sich stark für eine adäquate Regulierung von Glücksspiel, für Werbebeschränkungen, Zugangslimitierung, ein anbieterübergreifendes Spielerschutzsystem und effektive Kontrolle von Online-Glücksspiel.
Angebote und Fortbildungen für Schule und Ausbildung
- Der Workshop „Bling Bling“ vermittelt Schüler*innen ab der 9. Schulstufe Wissen zu Risiken, rechtlichen Rahmenbedingungen und Hilfsangeboten rund um Glücksspiel und fördert die Reflexion des eigenen (Spiel-)Verhaltens.
- Die Webseite feel-ok.at bietet jungen Menschen, Eltern und Lehrpersonen kompakte und verständliche Informationen zu den Themen Genuss & Sucht, Konflikt & Krise sowie Körper & Psyche sowie praxisnahe Materialien für den Unterricht.
BlingBling – Prävention von Glücksspielsucht
feel-ok.at – Die digitale Gesundheitsplattform
Sperrmöglichkeiten
Selbstsperren können ein wichtiger erster Schritt sein, um das eigene Spielverhalten einzuschränken. Informationen dazu finden Sie bei der Fachstelle Glücksspielsucht.
Für eine nachhaltige Behandlung einer Glücksspielstörung wird jedoch ausdrücklich empfohlen, auch professionelle Beratungsangebote in Anspruch zu nehmen. Besonders die häufigen Folgen der Glücksspielabhängigkeit – wie finanzielle Verschuldung, familiäre Konflikte und psychische Belastungen – machen eine weiterführende Unterstützung oft notwendig.
Behandlung und Versorgung
Digitales Selbsthilfe-Programm für Betroffene
Das 8-wöchige Selbsthilfeprogramm genuggespielt.at unterstützt dabei, das Konsum- und Spielverhalten nachhaltig zu verändern. In mehreren Modulen werden zentrale Interventionen der Glücksspieltherapie vermittelt. Schritt für Schritt sollen bestehende Gewohnheiten durchbrochen und die Kontrolle über das eigene Spielverhalten wiedererlangt werden.
genuggespielt
Beratungsstellen
- Sie oder jemand, den Sie kennen, möchte mit dem Glücksspiel aufhören? Die Spielsuchthilfe Wien berät Sie kostenlos und anonym. Auch Familie, Freund*innen und Partner*innen können sich an die Beratungsstelle wenden.
- Oder wenden Sie sich an das Ambulatorium des Anton-Proksch-Instituts – Treffpunkt 1050. Dort werden Menschen mit Glücksspielproblemen sowie deren Angehörige beraten und unterstützt.
Wissen und Materialien
Hier finden Sie ausgewählte Materialien zum Thema Glücksspiel:
- Podcast "Donner. Wetter. Sucht." #13: Wer gewinnt das Spiel?
- Positionspapier der ARGE Suchtvorbeugung
- Die Website www.feel-ok.at bietet eine breite Palette an Informationen und Materialien für Lehrkräfte zum Thema Glücksspiel.
Donner. Wetter. Sucht. - Der Podcast für Eltern und Erziehende
Wenn Sie unter psychischen Problemen leiden, sich in einer akuten Krise befinden oder Suizidgedanken haben, suchen Sie bitte umgehend Hilfe bei qualifizierten Fachkräften oder wenden Sie sich an eine Notfallnummer:
- 24h-Telefonseelsorge: 142
- 24h-Sozialpsychiatrischer Notdienst: +43 1/31330
- 24h-Männernotruf: 0800/246 247
- 24h-Frauenhelpline: 0800/222 555
- 24h-Rat auf Draht: 147
- Rettung: 144
zurück zu Themen