Digitale Medien
Hier finden Sie Informationen, Präventionsangebote, Fortbildungen, Beratungs- und Unterstützungsangebote sowie Materialien zum Thema digitale Medien.
Unser Alltag, unsere Kommunikation und unser Zusammenleben haben sich durch Smartphones, Computer und Tablets grundlegend verändert. Streaming, Social-Media-Aktivitäten, Online-Spiele oder Online-Shopping gehören für viele Menschen zum täglichen Leben. Wie wirkt sich digitale Mediennutzung auf unsere psychische Gesundheit aus? Welche Risiken, aber auch welche Chancen sind damit verbunden? Die aktuelle Forschung zeigt, dass die Auswirkungen digitaler Medien auf das psychische Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen insgesamt eher gering sind. Gleichzeitig können digitale Medien sowohl Chancen als auch Risiken mit sich bringen. Diese Fragen sind heute wichtiger denn je – besonders für Kinder und Jugendliche.
Aus diesem Grund haben wir ein neues Positionspapier erarbeitet, in dem aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu digitalen Medien bei Kindern und Jugendlichen zusammengefasst und Empfehlungen für Prävention, Jugendschutz und pädagogische Praxis abgeleitet werden.
Suchtartige Mediennutzung
Begriffe wie Onlinesucht, Handysucht oder Internetsucht werden in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Klar ist: Das Internet selbst macht nicht abhängig. Problematisch wird Mediennutzung nicht durch eine hohe Nutzungsdauer allein. Das zentrale Kriterium ist vielmehr die Beeinträchtigung des Alltags, des Wohlbefindens oder wichtiger Lebensbereiche. Eine hohe Nutzungsdauer kann ein Hinweis sein, reicht für sich genommen jedoch nicht aus, um problematische oder suchtartige Mediennutzung festzustellen. Wie bei anderen problematischen Verhaltensweisen entsteht sie im Zusammenspiel individueller, sozialer und struktureller Faktoren.
Eine eigenständige Diagnose „Mediensucht“ gibt es derzeit weder im DSM-5 noch in der ICD-11. Offiziell beschrieben ist lediglich die Computerspielstörung (Gaming Disorder). Wir sprechen daher von suchtartiger Mediennutzung. Für die fachliche Einordnung orientieren wir uns an den Kriterien der Gaming Disorder, wie etwa Kontrollverlust, zunehmender Vorrang der Nutzung gegenüber anderen Lebensbereichen oder fortgesetzte Nutzung trotz negativer Folgen.
Gesunder Umgang mit Medien
Ein gesunder Umgang mit digitalen Medien entwickelt sich nicht von selbst – er muss erlernt und begleitet werden. Besonders in der frühen Kindheit sind vielfältige analoge Erfahrungen wichtig, die eine gesunde emotionale, kognitive und motorische Entwicklung fördern. Mit zunehmendem Alter gewinnen Medienkompetenz und Risikokompetenz an Bedeutung. Kinder und Jugendliche sollen lernen, digitale Angebote bewusst, reflektiert, selbstbestimmt und verantwortungsvoll zu nutzen sowie Medieninhalte kritisch zu beurteilen. Digitale Medien können Kommunikation, Kreativität, Identitätsentwicklung und gesellschaftliche Teilhabe fördern. Ziel ist daher nicht der Verzicht auf digitale Medien, sondern ein reflektierter und ausgewogener Umgang mit ihnen.
Schutzfaktoren wie ein positives Selbstwertgefühl, Selbstwirksamkeit und Strategien im Umgang mit Stress spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Erziehungsverantwortliche und andere Bezugspersonen sind zentrale Vorbilder: Ihr eigener Umgang mit digitalen Medien prägt maßgeblich, wie Kinder und Jugendliche Medien nutzen.
Digital Diet Approach
Der Digital-Diet-Ansatz nach Amy Orben bietet eine Gesprächsgrundlage, um mit Kindern und Jugendlichen über ihren Umgang mit digitalen Medien zu sprechen. Dabei werden digitale Medien ähnlich wie Ernährung betrachtet. Neben der Bildschirmzeit stehen auch die genutzten Inhalte, persönliche Nutzungsmotive, Rahmenbedingungen und Auswirkungen auf Alltag und Wohlbefinden im Mittelpunkt. Der Ansatz berücksichtigt sowohl die Chancen und Bedürfnisse als auch mögliche Risiken digitaler Medien und die Frage, wann Nutzungseinschränkungen sinnvoll sein können.
Prävention und Unterstützung
Medienkompetenz und Suchtprävention gehören zusammen: Gemeinsam schaffen sie die Grundlage für einen selbstbestimmten, verantwortungsbewussten, kritischen und kreativen Umgang mit digitalen Medien. Prävention bedeutet dabei nicht nur die Vermeidung problematischer Nutzung, sondern auch die Stärkung von Ressourcen, Lebenskompetenzen und Bewältigungsstrategien.
Angebote und Fortbildungen für Schule und Ausbildung
- Digitale Balance - Prävention im digitalen Alltag von Kindern und Jugendlichen
Fortbildung (4 UE) für Lehrpersonen mit Hintergrundwissen und praxistauglichen Methoden zur Förderung eines reflektierten Umgangs mit digitalen Medien.
- Gemeinsam stark werden
Für Absolvent*innen des Lebenskompetenzprogrammes "Gemeinsam stark werden" steht ein Zusatzmodul zum Umgang mit digitalen Medien sowie zu deren Anwendung im Volksschulunterricht zur Verfügung.
- SUPstart
Für Absolvent*innen des Basismoduls der Workshopreihe SUPstart steht ein ergänzendes Zusatzmodul zu digitalen Medien zur Verfügung.
- Onlinesucht? Familie im Netz
Informationsabend (2 UE) für Eltern und Erziehungsberechtigte zur Auseinandersetzung mit Fragen nach Mediennutzung, Suchtverhalten und ausgewogenem Umgang mit digitalen Medien von Dialog - Individuelle Suchthilfe.
Wissen & Materialien
Hier finden Sie ausgewählte Materialien und Podcast-Folgen zum Thema digitale Medien:
- Donner.Wetter.Sucht
Die Podcastfolgen „Soll ich meinem Kind das Handy wegnehmen?" und „Autismus und Onlinesucht" greifen unterschiedliche Fragen rund um Mediennutzung, Bildschirmzeit und Onlinesucht auf.
- Rauschzeit
Die Podcastfolge „Handysucht" beleuchtet Risiken einer problematischen Smartphone-Nutzung und mögliche Wege zu einem bewussten Umgang mit digitalen Medien.
- Saferinternet
Neue Elternbroschüre "Bildschirmfrei von Null bis Drei" für den Umgang mit digitalen Geräten.
Beratungsstellen
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