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Wissen zu Tabak und Nikotin

1. Grundlagenwissen Nikotin

Suchtstoff Nikotin

Nikotin ist ein Wirkstoff, der in der Tabakpflanze vorkommt und inzwischen auch synthetisch hergestellt wird. Es ist eine chemische Verbindung und zählt zu den Alkaloiden. Beim Konsum von Zigaretten, E-Zigaretten, Nikotinbeuteln oder ähnlichen Produkten gelangt das Nikotin innerhalb weniger Sekunden ins Gehirn. Dort bindet es an bestimmte Rezeptoren und löst die Ausschüttung von Botenstoffen wie Adrenalin oder Dopamin aus. Nikotin in Tabak- und Nikotinprodukten macht rasch abhängig.

Nikotin wirkt unter anderem auf das Herz-Kreislauf-System, die Verdauung, die Insulinausschüttung sowie auf Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit. Langfristiger und regelmäßiger Konsum hat negative Folgen für Körper und Psyche. In Österreich ist Nikotin für Personen ab 18 Jahren zugelassen.

Nikotinabhängigkeit

Nikotin macht rasch abhängig. Rund ein Drittel jener, die Nikotin probieren, entwickeln eine Abhängigkeit. Häufig beginnt der Konsum in der Jugend, und aus dem anfänglichen Ausprobieren entsteht regelmäßiger Konsum, der sich innerhalb weniger Monate zu einer Abhängigkeit entwickeln kann. 

Ein abhängiger Konsum laut Klassifikationssystem der WHO (ICD) liegt vor, wenn innerhalb der letzten zwölf Monate mindestens drei der folgenden Kriterien gleichzeitig erfüllt waren: 

  • Starkes Verlangen, Tabak bzw. Nikotin zu konsumieren
  • Schwierigkeiten, den Konsum – Beginn, Ende und Menge – zu kontrollieren
  • Entzugserscheinungen bei geringerem Konsum oder bei Beendigung des Konsums (z. B. starkes Verlangen, Reizbarkeit, Angst, innere Unruhe, Konzentrationsschwierigkeiten)
  • Toleranzentwicklung – für denselben Effekt wird mehr Nikotin benötigt
  • Priorisierung des Rauchens und Vernachlässigung anderer Aktivitäten
  • Fortgesetzter Konsum trotz Folgeschäden 

Nikotinabhängigkeit hat zwei wesentliche Aspekte: die körperliche und die psychische Abhängigkeit.

  • Körperliche Abhängigkeit: Durch Veränderungen im Gehirn gewöhnt sich der Körper an Nikotin. Die Toleranzentwicklung führt dazu, dass immer mehr Nikotin benötigt wird, um einen "normalen" körperlichen Zustand aufrechtzuerhalten. Der Konsum dient dabei vor allem der Linderung von Entzugssymptomen wie Unruhe oder Gereiztheit. Bei den meisten Menschen pendelt sich nach einiger Zeit eine individuelle Dosis ein, die über Jahre gleich bleiben kann. 
  • Psychische Abhängigkeit: Diese entsteht durch die Verknüpfung der positiven Wirkungen von Nikotin mit bestimmten Situationen, Gefühlen oder Ritualen. Das führt dazu, dass bestimmte Eindrücke, wie z. B. eine Tasse Kaffee gleichzeitig Verlangen nach einer Zigarette, E-Zigarette oder einem Nikotinbeutel auslösen. 

Die Stärke der Abhängigkeit kann je nach Menge, Konsumsituationen, -gründen und individueller Reaktion auf Nikotin variieren. Bei regelmäßigem Konsum ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass bereits eine Abhängigkeit besteht. Ein Ausstieg aus dem Nikotinkonsum ist in der Regel gut möglich und hat positive Auswirkungen auf die Gesundheit. Wirksame Hilfsangebote und weitere Informationen finden Sie unter Beratung und Behandlung

2. Gesundheitsrisiken und Folgeschäden

Der regelmäßige und langfristige Konsum von Tabak und Nikotin geht oftmals mit gesundheitlichen Folgeschäden wie Lungenkrebs, COPD oder Herzkreislauferkrankungen einher. Häufig kann der Konsum deshalb auch zum Tod führen. Tabak und Nikotin schaden je nach Konsumform, -häufigkeit und -dauer, sowie zusätzlichen Risikofaktoren auf verschiedene Weise. Bei Überdosierung kann es zu akuten Beschwerden – wie Übelkeit, Erbrechen, Atemnot, in manchen Fällen auch zum Tod – kommen. 

Je nach Nikotinprodukt und Konsumform kann es zu unterschiedlichen kurz und langfristigen negativen Auswirkungen auf den Körper – etwa auf das Herz-Kreislauf-System, die Lunge oder die Mundschleimhaut – kommen.

Zigaretten und Tabak- bzw. Rauchprodukte

Das Rauchen von Zigaretten und anderen Rauchprodukten (z. B. Shisha, Zigarillo) bringt unter anderem folgende gesundheitliche Risiken mit sich:

  • Nikotinabhängigkeit
  • Atemwegserkrankungen, z. B. Lungenentzündungen, COPD oder Asthma
  • Erhöhtes Krebsrisiko, etwa für Lungen-, Mundhöhlen-, Kehlkopf- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs
  • Erhöhtes Schlaganfall- und Diabetesrisiko
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen, z. B. Herzinfarkt oder Atherosklerose
  • Verschlechterte Zahn- und Mundgesundheit durch gesteigertes Risiko für Parodontitis
  • Gesteigertes Risiko für Magengeschwüre
  • Verminderte Fruchtbarkeit, Erektionsprobleme und Komplikationen in der Schwangerschaft
  • Allgemeine gesundheitliche Beeinträchtigungen, z. B. schlechtere körperliche Verfassung und Immunfunktionen

Rauchen schadet zudem Menschen in der Umgebung:

  • Passivrauch erhöht das Risiko für Lungenerkrankungen, Krebs und Herzinfarkte.
  • Kalter Rauch („Thirdhand Smoke“) – Ablagerungen von Rauch auf Möbeln, Kleidung oder Oberflächen – ist ebenfalls gesundheitsschädlich. 

Neuartige Nikotinprodukte

Auch neuartigen Nikotinprodukte – wie E-Zigaretten (Vapes), Tabakerhitzer oder Nikotinbeutel (Pouches) – sind gesundheitsschädlich und haben ein hohes Suchtpotenzial. Die langfristigen Folgen dieser Produkte sind noch nicht so gut erforscht wie bei Zigaretten und anderen Tabakprodukten. Einige Risiken und Folgeschäden sind bereits bekannt:

  • E-Zigaretten enthalten krebserregende Stoffe, schädigen mit hoher Wahrscheinlichkeit die Atemwege und beeinträchtigen die Blutgefäße und ihre Funktion.
  • Tabakerhitzer beeinträchtigen die Lungenfunktion, insbesondere die Lungenzellen, sowie die Funktion des Herz-Kreislauf-Systems, z. B. durch die Erhöhung des Blutdrucks oder die Beeinträchtigung von Blutgefäßen.
  • Nikotinbeutel schädigen die Mundschleimhaut und das Zahnfleisch, führen bei Überdosierung schnell zu Vergiftungserscheinungen und belasten das Herz-Kreislauf-System. Zudem wird das Nikotin in den Beuteln als krebsfördernd eingestuft.

Häufig nutzen Menschen nicht nur ein neuartiges Nikotinprodukt, sondern konsumieren dazu auch Zigaretten oder weitere Nikotinprodukte (Dual- oder Poly Use). 

Schwangerschaft

Rauchen und Nikotinkonsum in der Schwangerschaft erhöhen das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen und schädigen das ungeborene Kind. Auch Passivrauch sowie der Konsum von neuen Nikotinprodukten erhöhen gesundheitliche Risiken für Schwangere und Kind. Ein Konsumstopp – idealerweise vor der Schwangerschaft oder sobald diese bekannt ist – fördert eine gesunde Entwicklung des Babys und stärkt die Gesundheit der Mutter. Hilfe und Beratung zum Konsumstopp in der Schwangerschaft finden Sie unter Beratung und Behandlung

Alkohol 

Tabak bzw. Nikotin wird häufig gemeinsam mit alkoholischen Getränken konsumiert. Alkohol ist selbst ein Suchtmittel und gesundheitsgefährdend, z. B. durch die Förderung bestimmter Krebsarten. Werden Tabak und Alkohol zusammen konsumiert, verstärken sich ihre schädlichen Wirkungen gegenseitig, etwa beim Risiko für Mund-, Kehlkopf- oder Speiseröhrenkrebs. 

Cannabis

Cannabis wird beim Konsum häufig mit Tabak gemischt. In diesem Fall setzen sich Konsument*innen sowohl den gesundheitlichen Risiken von Cannabis als auch von Tabak aus. Gleichzeitig verstärkt sich das Suchtverhalten gegenseitig. Die Abhängigkeit von Cannabis erschwert den Ausstieg vom Tabakkonsum – und umgekehrt. 

Spielsucht

Die bisherige Forschung zeigt, dass Personen mit Spielsucht häufiger Tabak konsumieren. Die genauen Zusammenhänge sind noch nicht vollständig geklärt, es wird jedoch angenommen, dass sich die beiden Abhängigkeitsformen gegenseitig beeinflussen und verstärken. 

Psychische Gesundheit 

Nikotinkonsum steht im Zusammenhang mit psychischer Gesundheit. Menschen, die Nikotin konsumieren, haben ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen. Gleichzeitig greifen Menschen mit bestehenden psychischen Belastungen häufiger zu Tabak und Nikotin. Zahlreiche Studien zeigen, dass ein Rauch- oder Konsumstopp langfristig die psychische Gesundheit verbessern und die Lebensqualität steigern kann.

3. Tabak und Nikotinkonsum in Österreich

  • Betrachtet man alle Nikotinprodukte, konsumieren rund 24 % der österreichischen Bevölkerung ab 15 Jahren täglich Nikotin. Ein großer Teil der Personen, die Nikotin konsumieren, will damit aufhören.
  • In Österreich rauchen aktuell ca. 1,6 Millionen Menschen täglich (20–21 % der über 15-Jährigen). In Wien ist dieser Anteil etwas höher: hier rauchen 23 % der Menschen. Österreich und auch Wien liegen damit über dem EU-27-Durchschnitt von rund 19 %.
  • Auch bei Jugendlichen ist der Nikotinkonsum weit verbreitet: Unter den 15-jährigen Schüler*innen rauchen 4 bis 6 % täglich Zigaretten. Werden andere nikotinhaltige Produkte (z. B. Tabakerhitzer, Wasserpfeifen, Nikotinbeutel und E-Zigaretten) dazugezählt, konsumieren 15 % der 15-jährigen Schüler*innen Nikotin.

Der überwiegende Teil der Menschen, die im Erwachsenenalter rauchen, hat bereits im Jugendalter mit dem Konsum begonnen. Umso wichtiger ist es, bereits früh anzusetzen und Jugendliche – etwa durch Jugendschutz, Tabak- und Nikotinschutzgesetze und Bewusstseinsbildung – zu schützen. Weitere Infos finden Sie unter Rechtliche Rahmenbedingungen

4. Weiterführende Informationen

Für weitere und vertiefende Informationen zum Thema Tabak und Nikotin empfehlen wir folgende Quellen:

"Rauchen ist riskant" (Heft)

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